Comedian Kate McKinnon spricht im stern-Interview über ihre schamlos direkte Art, ihren neuen Film „Die Rosenschlacht“ und ihre legendäre Merkel-Parodie bei „Saturday Night Live“.
Die Superkraft der amerikanischen Comedian Kate McKinnon ist die Taktlosigkeit. Ihr Publikum lockt sie aus der Reserve, indem sie immer das sagt, was am schrägsten ist – aber perfekt getimt. Beinahe jede Woche geht die 41-Jährige, geboren und aufgewachsen in einer Kleinstadt auf Long Island, mit ihren Auftritten aus der Fernsehshow „Saturday Night Live“ viral. Mal knetet sie dabei den Hintern von Gast-Star Ryan Gosling, mal bringt sie Daniel Craig zum Grinsen. Oder sie spielt einen Katzen-Sketch an der Seite von Reese Witherspoon und parodiert Hillary Clinton, Angela Merkel und Justin Bieber.
Für das Video-Interview schaltet sich McKinnon aus London zu, wo sie gerade auf Werbetour ist für die bitterböse Komödie „Die Rosenschlacht“, die nun in den Kinos startet.
Ist die Welt weniger lustig geworden, Frau McKinnon?
Warum weniger lustig?
Es passieren so viele grausame Dinge. Kriege verschärfen sich, die Klimakrise breitet sich aus und rechte Kräfte übernehmen. Ist es schwieriger, sich über die Welt lustig zu machen?
Na, hören Sie mal, wir sind doch schließlich hier, um über Comedy zu sprechen.
In „Die Rosenschlacht“ spielen Sie eine kleine, aber feine Nebenrolle. Wie war die Arbeit mit dem Duo Benedict Cumberbatch und Olivia Colman?
Das sind zwei der besten Schauspieler überhaupt. Es war ein Traum, der wahr wurde, so lehrreich. Wunderbare Menschen.
Kate McKinnon an der Seite von Andy Samberg in dem Kinofilm „Die Rosenschlacht“
© Searchlight Pictures
Die beiden spielen ein ehemaliges Traumpaar, das immer tiefer in einen brutalen Rosenkrieg gerät. Im Gegensatz zum Original von 1989, damals mit Michael Douglas und Kathleen Turner, sind die Geschlechterrollen vertauscht: Cumberbatch spielt den unglücklichen Hausmann, Coleman macht als Spitzenköchin Karriere. Wie verändert das die Geschichte?
Sie ist auf jeden Fall moderner. Aber so oder so zeigt sie, wie unsere Kultur auf Menschen herabsieht, die kein Geld verdienen. Es ist eine wirklich schmerzhafte Erfahrung, dass unser Wert davon bestimmt wird und zeigt, was für ein schlechtes System der Kapitalismus ist.
Sie selbst spielen die amerikanische Freundin der beiden, die alle Klischees erfüllt: Sie ist verrückt nach Waffen, laut und viel zu direkt.
Ich fand die Rolle lustig. Ich bin eigentlich gar keine laute Person, ich spreche nur mit lieblicher Stimme.
Wie viel von Ihnen selbst steckt in dieser Rolle der Klischee-Amerikanerin?
Ich hoffe, dass ich damit den Menschen nicht so viel Unbehagen bereite. Aber ich bin schon auch manchmal direkt. Ich frage gerne alle Menschen nach ihrer echten Wahrheit.
Wie meinen Sie das?
Statt „Wie geht’s dir?“ frage ich eher: „Was läuft gerade falsch bei dir? Worüber denkst du nach? Worunter leidest du?“ Die meisten Menschen wollen nur darüber sprechen, was sie gestern zum Abendessen hatten. Ist das eine amerikanische Angewohnheit? Ich weiß es nicht.
Als Comedian bei „Saturday Night Live“ sind Sie berüchtigt für Ihre Imitationen von Politikerinnen. Kann Comedy politische Debatten beeinflussen?
Ich denke, Comedy ist ein sehr guter Weg, um die Menschen an Ideen heranzuführen, ohne ihnen damit über den Kopf zu hauen. Es ist einfacher, einen Gedanken zu akzeptieren, während man darüber lacht. Manchmal merkt man dabei gar nicht, dass man gerade am gesellschaftlichen Diskurs teilnimmt.
In Deutschland gab es in den vergangenen Jahren eine angeregte Debatte über das Sagbare. Vor allem ältere, männliche Comedians beschwerten sich, dass man über viele Themen nicht mehr scherzen dürfe, ohne kritisiert zu werden.
So etwas hat mich nie gestört. Ich möchte die Menschen zum Lachen bringen, das ist mein oberstes Ziel.
Sie hatten also nie einen Moment, in dem Sie dachten: Den Witz hätte ich vor zehn Jahren noch gemacht, heute lieber nicht mehr?
Ich glaube nicht, dass das grundsätzlich eine schlechte Entwicklung ist. Das bringt Komiker doch einfach nur dazu, noch härter nachzudenken über die Pointe, um sich dann etwas wirklich Neues einfallen zu lassen. Es macht den Job interessanter.
Ihre Version von Angela Merkel gilt als legendär und wurde millionenfach geklickt. Wie kam es dazu?
Der Sketch entstand aus einem Satz, den ich in einem Magazin gelesen hatte. Darin stand, sie würde Tagebuch schreiben, das fand ich spannend: Man hielt die deutsche Kanzlerin für eine mächtige, ernsthafte Person. Und dann führt sie ein Tagebuch? Ich dachte: Aber natürlich, denn sie hat ja Gefühle, sie ist ein normaler Mensch. Dieser Gegensatz war ein sehr fruchtbarer Boden, um eine Comedy-Figur zu entwickeln.
Merkel soll selbst einen trockenen Humor haben. Hat sie jemals darauf reagiert?
Nicht, dass ich wüsste. Aber ich liebe sie sehr!